Aussaat – so früh wie noch nie

Jetzt bin ich im dritten Jahr meines Balkongärtner-Daseins und war immer ein Freund und Verfechter des ‚Aussaaterde in die Schale Samen drüber fertig‘-Prinzips, aber dieses Jahr ist alles anders. Ich habe mir Kokosquelltabletten besorgt! Beworben als „der ideale Helfer für die Anzucht Ihrer Jungpflanzen“ und gelobt in manchen Gartenblogs, wollte ich es nun auch mal versuchen. Die handlichen, kleinen und vorallem leichten Quelltabletten wanderten also beim ersten Baumarktbesuch des Jahres in den Einkaufswagen. Schleppen musste ich am Ende aber doch, zur Sicherheit packte ich nämlich auch noch eine Tüte Anzuchterde mit ein. Man weiss ja nie…

Ein Blick auf den Kalender zeigte mir: Es ist noch arg früh. Aber nicht zu früh! Der perfekte Zeitpunkt für Experimente! Nachdem die Aussaat im letzten Jahr wild und chaotisch und komplett nach Gefühl und ohne Schnick-Schnack passierte, möchte ich in diesem Jahr auch wieder ein bißchen mitschreiben, was ich so mache und was dabei herauskommt, um für die gärtnerische Zukunft zu lernen.  Außerdem möchte ich ein weiteres Kapitel aufschlagen: die Strelitzien-Aufzucht. In irgendeinem Urlaub aus längst vergangener Zeit sind mir diese Dinger aufgefallen, Paradiesvogelblumen. In unserem Klima sind die Aussichten vermutlich eher halbgut, trotzdem habe ich ein paar Samen erstanden, um sie erstmal sehr lange rumliegen zu haben. Das hat aber jetzt ein Ende und jeweils 5 niedliche Samen mit orangener Frisur von Strelitzia reginae und Strelitzia nicolai wurden nach Packungsbeilage vorbereitet (anfeilen, in Seifenwasser waschen, mit heißem Wasser überbrühen und 12 bzw. 24 Stunden in lauwarmen Wasser einweichen. Daraus wurden jeweils 36 Stunden, aber aus langjähriger Erfahrung im molekularbiologischen Labor weiss ich: Viel hilft viel!) und ausgesät.

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Hier ist mit mehreren Wochen/Monaten bis zur Keimung zu rechnen, 10 Kokosquelltablettenplätze im Anzuchtgewächshaus sind also schonmal dauerhaft besetzt. Da also sowieso ein erneuter Besuch im Baumarkt ansteht, um Anzuchtplätze aufzustocken, nutzte ich die Gelegenheit um weitere verschmähte, vergessene Samen auszubringen. Hierbei handelt es sich um Oliven und Livistonia, eine krasse Palme von meinem Lieblingsblumenfreund. Von diesen Samen erwarte ich nicht allzu viel, aber versuchen kann man es ja mal vor lauter Experimentierfreude.

Und hier komme ich nun zum aktuellen Balkongarten-Business 2015!

Keine Tomate, keine Zucchini… wer soll das denn aushalten? Die diesjährige Samenanzucht beginnt also mit der Kibbuz-Gurke Bait Alpha, der Zucchini Black Beauty, der Tomate Red Pear, eine alte Sorte, die mir die Samenrotation bescherte, Lavendel von der Insel Mainau, dessen Samen sich letzten Herbst in meiner Jackentasche verfangen hatten und testweise Fenchel von Marcel, weil ich Fenchel so gerne mag.

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Das ist schonmal ein guter Start! Sobald für neuen Anzuchtplatz gesorgt ist, muss Paprika folgen, wenn ich nicht wieder erst im November ernten will.

Viel Freude allen Gärtnern mit ihrem ersten zarten Grün!

Es geht los!

Die Frühblüher, die ich im letzten Herbst gesetzt habe, können nicht irren: Das Ende des Winters ist in Sicht. Zumindest die Schneeglöckchen stecken schon grüne Spitzen aus der Erde, auch wenn es hier auf der Alb über Nacht nochmal ordentlich Neuschnee gab. Jetzt fängt es an in den Fingern zu kribbeln und jegliche Vorsätze mit dem Inhalt „dieses Jahr nicht so viel“ „Menschen wollen den Balkon auch noch betreten“ „keine Tomaten und Zucchini, die nehmen soviel Platz weg“ „höchstens mal die alten Samenbestände aufbrauchen“ werden gepflegt über Bord geworfen. Die Gedanken an eigenes Gemüse und einen grünen lebendigen Balkon nehmen Überhand. Gerade fiel mir auch noch die Nachbarin ein, die letzten Sommer in der Waschküche sagte: „Ach, Sie sind die neue Nachbarin mit dem tollen, grünen Balkon!“ anstatt „Ach, Sie sind die Nachbarin, die im 9ten Monat schwanger ist“. Da schwillt die Balkongärtnerin-Brust natürlich vor Stolz! Also, was passiert dieses Jahr. Es ist Zeit zu Planen. Der bisherige Plan enthielt eigentlich nur die besagten Vorsätze. Das ist natürlich unhaltbar! Eine erste Inspiration kam mit dem tollen Paket aus der Samenrotation 2014. Die große Vielfalt aus Blumen- und Gemüsesamen, die da quasi an meine Tür geklingelt hat, will natürlich in die Erde. IMG_0195 Hier eine Übersicht über die Kostbarkeiten, die ich bekommen habe. Vielen Dank nochmal allen Beteiligten! Ich freue mich auf den frischen Wind im Balkongarten, der hieraus resultieren wird.

– Kresse von Nils

– Kapuzinerkresse von Kistengrün

– Zwiebeln von Evy

– Fenchel von Marcel

– Schmuckkörbchen von Schoenschnabel

– Möhren von Anette

– Pimientos de Padron von Balkonfee

– Ringelblume

– Feldsalat

– Jaltomate

– Rittersporn von jungfer-im-gruenen

– Edelwicke von zurueckimleben

– Zinnien von kessekresse

– Paprika Diavolo

– Rosmarin

– Wildtomate

Außerdem möchte ich in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf Salat und anderes Blattgemüse legen. Mein Bright Lights-Mangold hat mich im letzten Jahr sehr glücklich gemacht. Ich konnte mehrfach ernten und verschiedenste Mangold-Gerichte zubereiten, obwohl ich nur einen kleinen Topf nebenbei ausgesät hatte. Tomate und Zucchini hatte es ziemlich verregnet und ich wollte eigentlich von den beiden Abstand nehmen… Aber dazu später mehr!

All die Lieder – offtopic

Man kennt das von Weihnachten: Wenn der Sommer gerade vorbei ist, nähert sich das Fest. Man spürt es mit jeder Faser des Körpers, Spekulatius und Dominosteine im Supermarkt tun ihr übriges. Das geht allen so. Das ist normal. Wenn man dieser Tage allerdings wach wird und singt: „die Karawane zieht weiter, der Sultan hätt Kaffeedoosch“ oder noch vor dem Frühstück an nichts anderes denken kann als an dicke Eier, fuhle Prumme und lange Muhre, da wird es einem wieder bewusst: man ist tatsächlich mit der Pappnas jebore. Es fliesst einem durch die Adern, man kann sich nicht entziehen; als waschechte Rheinländerin steht man einfach parat, wenn et Trömmelsche jeht. Wenn man sich allerdings in der Ferne befindet, in einem Land jenseits bekannter und vertrauter Traditionen, wird das Herz bisweilen schwer. Man singt dem frischen Nachwuchs verzweifelt was von Spitzebützjer und unserm Veedel vor und denkt zurück an damals, als man selbst als kleiner Indianer oder kleine Prinzessin ins närrische Treiben aufbrach, sobald die Füße einen trugen.

Jetzt gehe ich raus in den „Schmotzigen Donnerstag“ der schwäbisch-alemannischen Fasnet, wische mir ein Tränchen aus dem Augenwinkel und erkläre meiner kleinen Schwäbin, dass das eigentlich anders muss.

Kölle Alaaf!